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Jenseits der Universität

Öffentliche Ringvorlesung

Das Studium Generale an der Bergischen Universität hat im Sommersemester 2018 zu einer öffentlichen Ringvorlesung über außerakademische Bildungsräume eingeladen.

Die Hochschulreformen der letzten Jahre stehen für einen an markt- und machtpolitischen Verwertungsinteressen ausgerichteten Zugriff auf die Universität. Kann es in dieser Situation des Anpassungszwangs noch ein Draußen geben, das als Verlockung erfahren wird? In der Unterwerfung unter die außengesteuerten Reformvorgaben ebenso wie in der Verteidigung der traditionellen Autonomie besteht die Gefahr, dass die Universität sich dem verschließt, was Bildung ausmacht: Hingabe, Entäußerung, Selbst- und Weltveränderung. Wie sähe eine Universität aus, die die Grenzen der eigenen wissenschaftlichen Rationalität wahrnimmt und in der Offenheit für außerakademische Bildungsräume die Möglichkeit zur Selbst-Transformation gewahrt?

Eröffnet wurde die Ringvorlesung mit der Vorführung des Dokumentarfilms "Vincennes - die revolutionäre Uni" (Arte 2016). Anschließend wurden verschiedene Bildungsräume jenseits der Universität thematisiert: das Atelier als Ort der künstlerischen Wissensproduktion, das Kino als Raum der sinnlichen Wahrnehmung, der bildungspolitische Einfluss von Stiftungen, die Debattenkultur in der bürgerlichen Presse sowie Formen des Wissenstransfers im Exil und auf der Bildungsreise. Mit einem Vortrag zu den Utopien neuen urbanen Lebens am Mirker Bahnhof und einer Konversation über Salon und Mode im Café Ada erkundete die Ringvorlesung außerdem zwei kreative Räume jenseits des Campus.

 

Begleitseminar zur Ringvorlesung: Das Draußen denken.

Für Studierende der Bergischen Universität fand begleitend zur Ringvorlesung „Jenseits der Universität“ ein Lektüreseminar statt, in dem entlang ausgewählter Texte die Frage diskutiert wurde, wie sich Erfahrungen jenseits der Universität denken lassen? Kann das Draußen auf einen Begriff gebracht werden, ohne dass es an Lebendigkeit verliert? Wie lässt sich über das Draußen schreiben?

 

   

 

19. April 2018

Vincennes - Die revolutionäre Uni

Dokumentarfilm von Virginie Linhart (Arte/Frankreich 2016)

 

Eröffnet wurde die Ringvorlesung mit einer TV-Dokumentation über die 1968 am Stadtrand von Paris gegründete, für alle offene Hochschule von Vincennes. Auf dem Campus wurden neue Studiengänge, neue Formen der interdisziplinären Lehre und verschiedene politische Praktiken in Verbindung mit den neuen sozialen Bewegungen der Sechzigerjahre experimentiert. Neben den Gründungsmitgliedern Hélène Cixous und Michel Foucault lehrten in Vincennes u.a. Gilles Deleuze, Jacques Lacan, Jean-François Lyotard, Jacques Rancière und internationale Gäste wie Herbert Marcuse, Noam Chomsky und Dario Fo. Auf der Grundlage von Archivmaterial und Interviews mit ehemaligen Studierenden und Lehrenden erzählt die Regisseurin Virginie Linhart, wie sich im Wald von Vincennes für einige Jahre der Traum von einer anderen Universität verwirklichte.

 

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26. April 2018

Drinnen und Draußen: Das Experiment Vincennes

Rita Casale und Catrin Dingler, Wuppertal

 

Die Universität von Vincennes war - von ihrer Gründung 1968 bis zur Auflösung im Sommer 1980 - eine für alle offene Hochschule, an der neue Studiengänge und neue Lehrformen experimentiert wurden. Prof. Dr. Rita Casale und Catrin Dingler M.A. sprachen im Anschluss an den in der Vorwoche gezeigten Dokumentarfilm "Vincennes - eine revolutionäre Uni" über die historischen, epistemischen und biographischen Konstellationen, die das Verhältnis von Drinnen und Draußen in Vincennes bestimmten.

 

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03. Mai 2018

Im Exil: Jüdischer Mathematiker und Deutschland in den 1930er und 1940er Jahren

Volker Remmert, Wuppertal

 

Das Exil als "Ort" wissenschaftlicher Produktion stellt die Betroffenen vor besondere Herausforderungen. Dazu zählen sprachliche Schwierigkeiten und Probleme der Beschaffung wissenschaftlicher Literatur ebenso wie die von vielen Emigranten als unbefriedigend empfundene Lehrsituation (etwa in den USA oder Indien), akademische und materielle Existenzängste und die Entwurzelung in einem häufig als fremd erfahrenen akademischen Milieu. Prof. Dr. Volker Remmert beschäftigte sich in seinem Vortrag vor allem mit Problemen des wissenschaftlichen Arbeitens von jüdischen Mathematikern, die in den 1930er und 1940er Jahren aus Deutschland emigrierten.

 

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17. Mai 2018

In der bürgerlichen Presse: Gender-Studies im Feuilleton

Sabine Hark, Berlin


Feuilletons bilden imaginäre Salons. Als eine Art erweiterte Räume der Universität greifen sie wissenschaftliche Auseinandersetzungen auf und wirken auf die akademischen Disziplinen zurück.

Im Fall der Gender Studies werden Angriffe längst nicht mehr nur in den sozialen Medien rechtspolitischer oder religiös motivierter Blogs und Netzwerke formuliert. Auch in den Feuilletons der überregionalen Tages- und Wochenzeitungen ist das akademische Konzept "Gender" diffamierenden Anfeindungen ausgesetzt. Prof. Dr. Sabine Hark, Leiterin des Zentrums für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung an der Technischen Universität Berlin, reflektierte in ihrem Vortrag Themen und Methoden des "Anti-Genderismus".

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07. Juni 2018

Stiftungen & internationale Organisationen: Die Kolonialisierung der Universität

Jochen Krautz, Wuppertal

 

Die in den letzten 20 Jahren im Kontext der Bologna-Reformen eingeleiteten Veränderungen der Universität haben deren Anspruch und Realität tiefgreifend verändert. Prof. Dr. Jochen Krautz vertrat in seinem Vortrag die These, dass die Veränderungen nicht allein Entwicklungen in Wissenschaft und Gesellschaft, der vermeintlich naturwüchsigen Logik der Globalisierung oder des Kapitalismus geschuldet seien. Er reflektierte die Rhetorik des Wandels, die Akteure des Umbaus, ihre Mittel und Strategien und befragte deren Handeln auf seinen ideologischen und geopolitischen Kontext.

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14. Juni 2018

Auf Bildungsreise: Rom als Station der Grand Tour

Arne Karsten, Wuppertal


"Von Rom zu schwärmen ist geschmacklos und überflüssig dazu", schrieb Theodor Fontane im Stechlin, "weil man die Schwärmerei seiner Vorgänger ohnehin nicht erreicht." Der Grund für diesen unbestreitbaren Sachverhalt liegt im Wesentlichen darin, dass keine andere Stadt ihre Anziehungskraft als Reiseziel und Bildungsort über einen so langen Zeitraum hinweg bewährt hat wie Rom. PD Dr. Arne Karsten nahm in seinem Vortrag die unterschiedlichen Motive in den Blick, welche die Menschen über mehr als zwei Jahrtausende hinweg nach Rom führten, die Bilder, die dabei von der Ewigen Stadt entstanden und vor allem die unterschiedlichen Formen des "Bildungserlebnisses", das sich die Besucher vom Aufenthalt am Tiber versprachen.

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21. Juni 2018

Am Bahnhof: Die Urbanität der Kreativen

Christian Hampe, Utopiastadt

 

Das historische Gebäude des Mirker Bahnhofs in der Wuppertaler Nordstadt hat sich seit einigen Jahren als "Utopiastadt" zu einer zentralen Anlaufstelle für die Kultur- und Kreativwirtschaft der Region entwickelt. Christian Hampe, Initiator und Geschäftsführer des Projekts, stellte das Labor für innovative Stadtentwicklungsideen vor und diskutierte mit dem Publikum die Frage, was den mit viel bürgerschaftlichem Engagement aufgebauten Mirker Bahnhof zu einem experimentellen "Campus" macht.

Einen ausführlichen Bericht zu der Veranstaltung am Mirker Bahnhof finden Sie hier.

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05. Juli 2018

Im Atelier: Ursprungsort des Kunstwerks

Katja Pfeiffer, Wuppertal

 

Der französische Begriff Atelier bezeichnet um 1750 noch ganz profan die Werkstatt des Künstlers. Erst im Verlauf des 19. Jahrhunderts erfährt er - insbesondere im deutschsprachigen Raum - eine erstaunliche Wendung und wird zu einem mythenumwobenen Ort. Allen Versuchen von Konzeptkünstlern der 1960er Jahre zum Trotz schwingt im Atelierbegriff bis heute das Vibrato eines Lebens- und Arbeitsgefühls mit, das in anders bezeichneten Räumen nicht erreichbar scheint.

Prof. Katja Pfeiffer thematisierte in Ihrem Vortrag die Ursachen dieser Entwicklung und analysierte die Verflechtung von Künstlerpersönlichkeit, Kunstwerk und Atelierraum. Abschließend reflektierte sie die Besonderheit der Atelierräume, die den BUW-Studierenden im Rahmen ihres Kunststudiums zur Verfügung gestellt werden. Als Orte der Erprobung vor dem Ernstfall bilden sie Schutzraum und Herausforderung zugleich.

 

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12. Juli 2018

Im Salon und auf der Modenschau: Eine Konversation

Barbara Vinken, München; Matei Chihaia, Wuppertal

 

"Die Moden entwickeln sich nicht völlig unvorhersehbar. Sie verdanken sich nicht dem blinden Zufall. Deshalb ist es durchaus möglich, die Mode zu denken. Der Modewandel zeigt bestimmte Strukturmerkmale und folgt bestimmten Gesetzen. Auch wenn wir, die wir diese Moden tragen, meistens natürlich keine Ahnung davon haben, was wir tun, wenn wir uns anziehen: Modewandel hat System. Fragt sich bloß welches."

Barbara Vinken: Angezogen

Einen ausführlichen Bericht zu der Veranstaltung im Café Ada finden Sie hier.

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19. Juli 2018

Im Kino: Sinnliche Wahrnehmung im dunklen Raum

Heide Schlüpmann, Frankfurt/Main

 

Welchen Sinn hat das Kino für eine Generation, die Filme am Bildschirm kennen und lieben gelernt hat? Warum ist das Kino trotz der Allgegenwart des bewegten Bildes nicht überflüssig geworden?

Prof. Dr. Heide Schlüpmann verstand ihren Vortrag "Raumgeben" als Plädoyer für das in der gegenwärtigen Medienlandschaft historisch und überholt anmutende Kino. Ausgehend von den Arbeiten feministischer Filmtheoretikerinnen, die in den 1970er und 1980er Jahren aus Liebe zum Kino begonnen hatten, den Gefühlen zu vertrauen, die im dunklen Raum entstehen und über die Wahrnehmung nachzudenken, die sich aus diesen Gefühlen bildet, suchte sie diese frühen Ansätze aufzugreifen und in Bezug auf den geschichtlichen Zusammenhang zwischen dem privaten Raum und dem Raum des Kinos weiterzudenken.

 

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