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Wozu Universität?

Öffentliche Ringvorlesung

Das Studium Generale an der Bergischen Universität hat im Wintersemester 2017/18 vor dem Hintergrund gegenwärtiger Kontroversen um die Bedeutung wissenschaftlicher Bildung zu einer transdisziplinären Ringvorlesung über die Aktualität der Universität eingeladen.

 

Gleichzeitig mit der Relevanz wissenschaftlicher Erkenntnisse für alle beruflichen und privaten Lebensbereiche wächst das gesellschaftliche Misstrauen, Wissenschaft sei weniger der Wahrheit und vielmehr politischen und ökonomischen Interessen verpflichtet. Die Ambivalenz zeigt sich auch im Verhältnis zur Universität. Sie trifft sowohl der altbekannte Vorwurf, sie verschanze sich selbstreferenziell im Elfenbeinturm und verschließe sich drängenden gesellschaftlichen Problemen, als auch die umgekehrte Kritik, sie opfere in der Anpassung an Steuerungs- und Verwertungsmechanismen aus Politik und Wirtschaft ihre Autonomie.

 

Die Ringvorlesung „Wozu Universität?“ thematisieret fakultätsübergreifend die Besonderheit und Bedeutung universitärer Wissensproduktionen. Diskutiert wurden unterschiedliche Formen der Wissensgenerierung und Wissensvermittlung in den geistes-, natur-, wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen sowie Möglichkeiten der transdisziplinären Zusammenarbeit. In der kritischen Reflexion der Verflechtung universitärer Praktiken mit institutionellen, gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen trat die Universität auch in ihrem Verhältnis zu anderen Bildungsräumen hervor.

 

 

   

Programm

19. Oktober 2017  Wozu Universität?

Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus, Universität Würzburg

 

26. Oktober 2017  Maxim Gorki und das verbotene Buch – zur Universität als Lektüre-Kontext

Prof. Dr. Matei Chihaia, Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

02. November 2017  All we need is Enlightenment

Prof. Dr. Michael W. Tausch, Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften


09. November 2017  Wissensgenerierung in der Pädagogischen Psychologie

Prof. Dr. Susanne Buch, Institut für Bildungsforschung in der School of Education

 

16. November 2017  Wissensgenerierung im Format der Universitätsvorlesung

Prof. Dr. Gerrit Walther, Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

23. November 2017  Formen der philologischen Lektüre und Wissen

Prof. Dr. Michael Scheffel, Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

30. November 2017  Wissensproduktion durch intelligente Maschinen?

Prof. Dr.-Ing. Dietmar Tutsch, Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik

 

07. Dezember 2017  Feministische Theoriebildung in der Frankfurter Frauenschule

Prof. Dr. Barbara Rendtorff, Universität Paderbon

 

14. Dezember 2017  Entrepreneurship im Spannungsfeld zwischen Theorie und Unternehmenspraxis

Prof. Dr. Christine Volkmann, Fakultät für Wirtschaftswissenschaft – Schumpeter School of Business and Economics

 

11. Januar 2018  Der Fall des Instituts für Sozialforschung: Nonkonformistische Wissensgenerierung

Prof. Dr. Alex Demirović, Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

 

18. Januar 2018  Governance und neue Akteure im Bildungsbereich

Prof. Dr. Karin Amos, Universität Tübingen

 

25. Januar 2018  Die Unabhängigkeit der Wissenschaft als Voraussetzung der Autonomie der Universität

Podiumsdiskussion, CityKirche Wuppertal

 

 

19. Oktober 2017

Wozu Universität?

Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus

Universität Würzburg

 

Wozu Universität? Die Frage impliziert den Zweifel, ob sie angesichts der Orientierung an Employability und dem Imperativ des Lebenslangen Lernens als spezifische Bildungsinstitution noch gebraucht wird bzw. ihrem eigenen Anspruch noch gerecht werden kann. Zum Auftakt der Ringveranstaltung stellte Prof. Dr. Andreas Dörpinghaus fünf Thesen zum umstrittenen Fortbestand der Universität zur Diskussion.

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26. Oktober 2017

Maxim Gorki und das verbotene Buch – zur Universität als Lektüre-Kontext

Prof. Dr. Matei Chihaia

Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

Die Faszination des Lesens außerhalb der Universität ist ein Faszinosum für Autoren der Weltliteratur - ein literarisches Motiv, das dem Leser von Literatur ein eigentümliches Spiegelbild vorhält. Dafür ist Maxim Gorkis autobiographischer Roman „Meine Universitäten“ exemplarisch.

Matei Chihaia hat in seinem Vortrag anhand dieses Werks sowie ausgewählter Texte seines eigenen Fachgebiets, der lateinamerikanischen Literatur, unterschiedliche Aspekte des freien, aber auch ungeschützten Lesens außerhalb der Universität vorgestellt. Der Vortrag gab eine dialektische Antwort auf die Frage „Wozu Universität?“. Der erste Teil war der Faszination des Lesens ohne Universität gewidmet, der zweite Teil der Funktion der Universität als disziplinärem und interdisziplinärem Lektürekontext.

 

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02. November 2017

All we need is Enlightenment

Prof. Dr. Michael W. Tausch

Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften

 

Wie schafft es die Natur, das Licht der Sonne als energetischen Antrieb für alle Lebewesen auf der Erde zu nutzen? Wie schaffen wir es, die wir Teil dieser Natur sind, uns in ihr mit Hilfe des Lichts zu orientieren und in ihre Geheimnisse einzudringen? Warum ist Licht so wichtig für die nachhaltige Entwicklung unserer technischen Zivilisation?

Der Vortrag ist diesen Fragen entlang historischer Meilensteine, mit zwei Experimenten und ein paar „Quäntchen“ Theorie nachgegangen.

 

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09. November 2017

Wissensgenerierung in der Pädagogischen Psychologie

Prof. Dr. Susanne Buch

Institut für Bildungsforschung in der School of Education


Die Etablierung der Pädagogischen Psychologie als Teildisziplin der Psychologie ist eng mit der Einrichtung universitärer Studien(gänge) in der Lehrerbildung verknüpft. Aus Sicht der (zukünftigen) Lehrkräfte wird die Erwartung der Generierung „praxisrelevanter“ Forschungserkenntnisse jedoch allzu oft enttäuscht: Die Ergebnisse pädagogisch-psychologischer Forschung erscheinen vielen trivial,  widersprüchlich und/oder mangelhaft hinsichtlich der Übertragbarkeit in pädagogische Praxis. Sind diese Einwände gerechtfertigt?

Prof. Dr. Susanne Buch reflektierte in ihrem Vortrag Potenziale und Grenzen der Nutzung pädagogisch-psychologischen Wissens für professionelles pädagogisches Handeln und diskutierte mit dem Publikum die Frage, welche Rolle dem Studium in einer (konstruktiven) Auseinandersetzung mit der „Theorie-Praxis-Problematik“ zukommt.

 

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16. November 2017

Wissensgenerierung im Format der Universitätsvorlesung

Prof. Dr. Gerrit Walther

Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

Die Vorlesung ist die bekannteste, gleichzeitig aber auch die kritisierteste universitäre Veranstaltung. Ist das Format noch zeitgemäß? Warum lohnt es sich, die Vorlesung als wichtigstes akademisches Format zu verteidigen?

Prof. Dr. Gerrit Walther warf in der Veranstaltung einen Blick in die Geschichte der universitären Vorlesung und reflektierte die Argumente ihrer Kritiker und Befürworter.

 

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23. November 2017

Formen der philologischen Lektüre und Wissen

Prof. Dr. Michael Scheffel

Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften

 

Worin bestehen die Unterschiede zwischen einer ‚alltäglichen‘ und einer professionellen, d.h. ‚philologischen‘ Lektüre‘? Wenn die Bemühungen einer philologischen Lektüre in erster Linie literarischen Texten gelten, und diese definitionsgemäß von keiner historischen Wirklichkeit, sondern von Dingen handeln, die nie und nirgends stattgefunden haben, wie kann die Lektüre solcher Texte dann zu irgendeiner Form von ‚Wissen‘ führen? Und was hat sie an einer Universität zu suchen?

Prof. Dr. Michael Scheffel widmete sich in seinem Vortrag diesen Fragen und stellte Spezifika, Methoden, Formen und Möglichkeiten der philologischen Lektüre vor. Abschließend konkretisierte er seine Betrachtungen am Beispiel der Monolognovelle ‚Fräulein Else’ von Arthur Schnitzler, deren als philologische Lektüre verstandene Edition gegenwärtig im Rahmen des Langzeitprojekts „Arthur Schnitzler digital: Digitale historisch-kritische Edition (Werke 1905 bis 1931)“ an der Bergischen Universität erarbeitet wird.

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30. November 2017

Wissensproduktion durch intelligente Maschinen?

Prof. Dr.-Ing. Dietmar Tutsch

Fakultät für Elektrotechnik, Informationstechnik und Medientechnik

 

Können Maschinen tatsächlich intelligent sein? Prof. Dr. Dietmar Tutsch erläuterte in seinem Vortrag die Algorithmen, die in mutmaßlich intelligente Maschinen eingesetzt werden. Ein zentraler Aspekt dieses Knowledge-Discovery ist das Data-Mining, das aus Clustering und Klassifizierung besteht. Reflektiert wurden Möglichkeiten und Grenzen dieser Verfahren sowie die Funktionsweise künstlicher neuronaler Netze und ihre Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die Ausgangsfrage.

 

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07. Dezember 2017

Feministische Theoriebildung in der Frankfurter Frauenschule

Prof. Dr. Barbara Rendtorff

Universität Paderbon

 

Die Frankfurter Frauenschule war ein sogenanntes „Frauen-Bildungs-Projekt“ der 1980er Jahre; ihre Besonderheit bestand in einer starken Theorie-Orientierung. Sie definierte sich selbst als einen „feministischen Ort“, an dem Ansprüche gestellt, artikuliert und gemeinsam reflektierend bearbeitet werden sollten – mit der Erwartung, dass aus dieser Reflexionsarbeit ein neues Wissen über Frauen in der Gesellschaft entstehen würde, das zum theoretischen Begriff von Weiblichkeit und der Geschlechterordnung beitragen sollte.

Prof. Dr. Barbara Rendtorff diskutierte in ihrem Vortrag, wie sich ein solcher außeruniversitärer Ort der Theoriebildung zur Universität selbst verhält, was beide voneinander unterscheidet und/oder was sie aneinander haben (könnten).

 

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14. Dezember 2017

Entrepreneurship im Spannungsfeld zwischen Theorie und Unternehmenspraxis

Prof. Dr. Christine Volkmann

Fakultät für Wirtschaftswissenschaft – Schumpeter School of Business and Economics

 

Das Interesse an Entrepreneurship im Sinne von unternehmerischem Denken und Handeln ist in den vergangenen Jahrzehnten in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik kontinuierlich gewachsen. Inspiriert von Gründern wie Steve Jobs, Marc Zuckerberg oder Elon Musk möchten auch Studierende mehr erfahren über den „Entrepreneur“ oder streben eine eigene Gründung an, deshalb steigt an den Universitäten die Nachfrage nach Entrepreneurship-Kursen. Allerdings wird die Legitimität von Entrepreneurship als eigene Wissenschaftsdisziplin immer noch kontrovers diskutiert. Wie grenzt sich Entrepreneurship von anderen wissenschaftlichen Disziplinen ab? Welchen praktischen Nutzen bringt Entrepreneurship-Forschung?

Prof. Dr. Christine Volkmann diskutierte diese und andere Fragen in der Ringvorlesung über das Spannungsfeld von Theorie und Unternehmenspraxis. Dabei beleuchtete sie verschiedene Interpretationen des „Entrepreneurs“ nach Schumpeter, Shane und anderen Ökonomen und stellt die praktische Relevanz des Lehr- und Forschungsgebietes heraus. Am Beispiel der BUW zeigte sie, wie der Einklang von Forschung, Lehre und Transfer im Kontext von Entrepreneurship funktionieren kann.

 

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11. Januar 2018

Der Fall des Instituts für Sozialforschung: Nonkonformistische Wissensgenerierung

Prof. Dr. Alex Demirović

Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin

 

Das Institut für Sozialforschung wurde 1923/24 in Frankfurt/Main gegründet. Unter der Leitung von Max Horkheimer und berühmter Mitarbeiter, wie Theodor W. Adorno und Herbert Marcuse, entwickelte es sich zu einem interdisziplinären Zentrum kritischer Theorie und empirischer Forschung. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde das Institut geschlossen, seine Mitglieder mussten ins Exil. Erst infolge der Neugründung 1949 erlangte das Institut mit seinem Programm einer kritischen Soziologie und Philosophie seine Bedeutung und weltweite Ausstrahlung als „Frankfurter Schule“.

Prof. Dr. Alex Demirović reflektierte in seinem Vortrag den kritischen Anspruch des Instituts, der Freiheit der Theorie einen Ort zu geben und zur befreienden Praxis beizutragen. Zur Diskussion stand ferner die Frage, inwieweit das Institut für Sozialforschung heute noch ein Modell bieten kann für die Möglichkeit, auch unter widrigen Bedingungen die Fähigkeit und Bereitschaft von Individuen zu stärken, für Aufklärung und Vernunft einzutreten und den Mut zur Wahrheit zu haben.

 

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18. Januar 2018

Governance und neue Akteure im Bildungsbereich

Prof. Dr. Karin Amos

Universität Tübingen

 

Prof. Dr. Karin Amos diskutierte Struktur und „Agency“ am Beispiel der Hochschulreform in Baden-Württemberg. Dabei wurde die Thematik in einen weiteren theoretischen Kontext gerückt, der sich zum einen an der mittlerweile klassischen Forderung von Jacques Derrida zur unbedingten Universität, zum anderen an neuen Diskussionen zu tektonischen Verschiebungen im Wissenschaftssystem orientierte. Der Vortrag suchte also eine Brücke zu schlagen zwischen Wissenschafts-, Bildungs- und Organisationspolitik und deren theoretischer Betrachtung.

 

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25. Januar 2018

Die Unabhängigkeit der Wissenschaft als Voraussetzung der Autonomie der Universität

Podiumsdiskussion, CityKirche Wuppertal

 

Prof. Dr. Jürgen Mittelstraß

(Direktor des Wissenschaftsforums Konstanz)

Prof. Dr. Rudolf Stichweh

(Direktor des Forum Internationale Wissenschaft Bonn)

Prof. Dr. Uwe Schneidewind

(Präsident des Wuppertal Institut)

Prof. Dr. Lambert T. Koch

(Rektor der Bergischen Universität)

Prof. Dr. Rita Casale

(Bergische Universität)

Prof. Dr. Gabriele Molzberger

(Bergische Universität)

 

Einen ausführlichen Veranstaltungsbericht finden Sie hier.

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